Historie

Am 18. Oktober 1915 fand die weltweit erste Probefahrt eines voll funktionsfähigen Luftkissenbootes statt. Der Erfinder und Konstrukteur war Dagobert Müller von Thomamühl, Linienschiffsleutnant der k.u.k Kriegsmarine.

Das als schnelles Torpedoboot konstruierte „Luftkissengleitboot“ erreichte 33 Knoten. Angetrieben wurde es von fünf Flugmotoren, wovon einer einen Luftzug unter dem Schiffskörper erzeugte. Die anderen beiden Motoren waren mit den zwei Schiffsschrauben verbunden.

Von Oktober 1915 bis Februar 1916 wurden insgesamt 21 Probefahrten durchgeführt. Ein Jahr später wurde das Projekt aufgrund mangelnder Modifizierung und Weiterentwicklung beendet. Auch die geliehenen Flugzeugmotoren mussten den Fliegerregiment in Wien zurückgegeben werden.

Erprobungsfahrt des original „k.u.k. Versuchsgleitbootes“ im Hafen von Pula 1915

Der Erfinder

Dagobert Müller von Thomamühl, war ein Visionär und außerordentlich begabter Ingenieur. Neben dem Luftkissenboot entwickelte er zahlreiche weitere Erfindungen wie die Lichtschranke und ein Tauchgerät, welches ihm ermöglichte als erster Mensch eine Tiefe von 64 Metern zu erreichen, was damaliger Weltrekord war. Er starb 1956 in Klagenfurt am Wörthersee.

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Nach seiner Ausbildung an der Marineakademie in Fiume und einer Weltumseglung auf der SMS „Donau“ (1900–1901) prägte er die maritime Technik nachhaltig. Er war nicht nur Kommandant zahlreicher Torpedoboote, sondern bewies auch physischen Pioniergeist: 1910 gründete er die erste Taucherschule der Monarchie und stellte mit einem Tauchgang auf 64 Meter Tiefe – ohne Panzeranzug – einen Weltrekord auf.

Seine technische Genialität zeigte sich besonders während des Ersten Weltkriegs. 1915 konstruierte er mit dem „Gleitboot“ das weltweit erste funktionstüchtige Luftkissenboot, das als schneller Torpedoträger konzipiert war. Parallel dazu entwickelte er Richtungsregler für Torpedos und leistete Pionierarbeit bei der Erprobung von Flugzeugtorpedos. Eine seiner bedeutendsten zivilen Wirkungen war die Entdeckung der Lichtschranke im Jahr 1916, die er 1924 patentieren ließ.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie bewies Müller von Thomamühl unternehmerisches Geschick: Er errichtete eine Wagenfabrik in Maribor, realisierte Wasserkraftwerke in Kroatien und betrieb bis 1945 ein technisches Büro in Wien, das internationale Werften und marinetechnische Innovationen vertrat. Sein Lebensweg vereinte militärische Führung, wagemutige Pionierleistung und visionären Erfindergeist.